Zwei junge Bisons ruhen und grasen auf einer grünen Wiese mit verschwommenem Wald im Hintergrund.

Der Wisent
Europas sanfter Riese kehrt zurück

Der Wisent ist ein Tier der Superlative: das größte und schwerste Landsäugetier Europas, kraftvoll, urtümlich und dennoch erstaunlich friedlich. Heute gilt er als Sinnbild für erfolgreichen Artenschutz – doch vor kaum hundert Jahren war er vollständig aus der Wildnis verschwunden.

Einst durchstreiften Wisente weite Teile des europäischen Festlands. Doch schrumpfende Lebensräume, zunehmende Landwirtschaft und intensive Jagd führten bereits ab dem 11. Jahrhundert zu einem dramatischen Rückgang der Bestände. 1919 wurde der letzte Flachland-Wisent in Europa erschossen, 1927 folgte der letzte Berg-Wisent im Kaukasus. Damit waren freilebende Wisente ausgerottet – das letzte Wildrind Europas existierte nur noch in Zoos und Tierparks.

Vom Aussterben zurück in die Freiheit

Was wie das endgültige Ende klang, wurde zur Erfolgsgeschichte: Durch internationale Zuchtprogramme, enge Zusammenarbeit vieler Länder und einen strengen Schutzstatus begann die Rückkehr des Wisents. Heute leben weltweit wieder über 7.200 Tiere – ein starkes Zeichen dafür, dass konsequenter Artenschutz wirkt.

Vor allem in Osteuropa, etwa in Polen, Rumänien und Russland, werden Wisente wieder ausgewildert und kehren Schritt für Schritt in ihre ursprünglichen Lebensräume zurück. Parallel läuft in der Schweiz eine Machbarkeitsstudie, die prüfen soll, ob und wie eine Wiederansiedlung dort gesellschaftlich akzeptiert und ökologisch sinnvoll umsetzbar ist.

In Deutschland verlief der erste große Wiederansiedlungsversuch dagegen schwierig. Im Jahr 2011 wurden Wisente im Rothaargebirge ausgewildert. Leider kam es immer wieder zu Konflikten mit Waldbesitzern, da die Tiere durch Schälschäden an Bäumen wirtschaftliche Verluste verursachten. Die daraus entstandenen Rechtsstreitigkeiten führten dazu, dass das Pionierprojekt in eine kritische Phase geriet. Im Juli 2025 wurden die Wisente aufgrund des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in der Region wieder in ein Gatter gebracht. Die Anlage wurde per behördlicher Anordnung geschlossen, um eine mögliche Ausbreitung des Virus zu verhindern. Derzeit wird an Lösungen gearbeitet, um eine Rückkehr in die Natur doch noch zu ermöglichen – die Aussichten bleiben jedoch wegen der anhaltenden Nutzungskonflikte mit Waldbesitzern herausfordernd.

aktuelle Entwicklung bei der Wisent-Auswilderung

Im Januar 2026 begann für sechs Wisente aus dem Projekt „Wisente am Rothaarsteig“ ein Neuanfang: Gemeinsam mit zwölf Tieren aus dem Tierpark Berlin wurden sie in den Shahdag-Nationalpark in Aserbaidschan umgesiedelt. Alle Tiere sind gesund in ihrem neuen Lebensraum angekommen.

Die Umsiedlung wurde vom WWF Deutschland und den Zoologischen Gärten Berlin organisiert. Ziel ist der Aufbau eines dauerhaft überlebensfähigen Wisentbestands im Süd-Kaukasus. Der über 130.000 Hektar große Nationalpark bietet dafür ideale Bedingungen mit weitläufigen, naturnahen Wäldern und geringem Konfliktpotenzial mit dem Menschen.

Die Herde wird dauerhaft von geschulten Wildhütern überwacht, unter anderem mithilfe von GPS-Halsbändern und Kamerafallen. Nach den langjährigen Konflikten im Rothaargebirge ist die Umsiedlung eine zukunftsweisende Lösung für einen Großteil der Tiere. Bis 2027 sollen weitere Wisente aus Nordrhein-Westfalen in den Kaukasus folgen.
Ausführliche Informationen zur Rückkehr der Wisente in den Kaukasus gibt es unter:
Ausführliche Infos zur Rückkehr in den Kaukasus gibt es unter: https://www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten/wisente/wisente-fuer-den-kaukasus

Ein Teil des großen Ganzen: 
Wisente im Wildpark Hundshaupten

Auch der Wildpark Hundshaupten engagiert sich aktiv für die Zukunft des Wisents. Die hier gehaltenen Elterntiere – ein Bulle und vier Kühe – sorgen für wichtigen Nachwuchs. Diese Jungtiere stehen internationalen Wiederansiedlungsprojekten zur Verfügung und können später in geeigneten Regionen ausgewildert werden.

Wie eine Wisent-Auswilderung funktioniert und welche Tiere dank zoologischer Einrichtungen wieder in der Natur leben, zeigt euch die interaktive Ausstellung beim Wisent-Treff im Wildpark. Wer noch mehr erleben möchte, kann bei einer Führung die Wisente hautnah erleben und spannende Einblicke in die Arbeit des Artenschutzes bekommen.

Führung - Artenschutz erleben (Barrierefrei)

Umzug in ein neues Leben: 
Wisent-Auswilderung im Kaukasus

Ein Wisent läuft aus einem Container, während mehrere Menschen oben stehen und zusehen. Die Umgebung ist winterlich und bewaldet.Ein großes Schild mit der Aufschrift „Return of the European Bison to the Caucasus“ wird mit Hilfe von Gurten gehoben. Drei Personen stehen daneben im Freien.Ein Kran hebt einen Container neben mehreren gestapelten Servern im Freien, während einige Menschen im Schnee zuschauen. Berge und Bäume im Hintergrund.Ein Wisent steht im Schnee vor Containern, auf denen mehrere Menschen stehen und ihn beobachten.Eine kleine Herde von Wisenten läuft durch eine schneebedeckte Landschaft mit Bäumen im Hintergrund.Mehrere Menschen stehen auf gestapelten Kisten im Schnee, während eine Person in einiger Entfernung auf dem verschneiten Feld steht. Bäume und Hügel im Hintergrund.Ein Arbeiter fährt nachts einen Gabelstapler und transportiert eine große Holzkiste vor einem Gebäude mit der Aufschrift "Logistics Center".Ein Frachtflugzeug wird nachts auf dem Rollfeld mit Containern und Fracht beladen, ein Arbeiter steht neben den Ladungen.
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